Nordic Walking vs. Joggen: Was sind die wichtigsten Unterschiede?

Nordic Walking vs. Joggen: Was sind die wichtigsten Unterschiede?

Nordic Walking vs. Joggen: Was sind die wichtigsten Unterschiede? Welche Gemeinsamkeiten gibt es? (Quelle: Studio Romantic/shutterstock.com)

Immer wieder interessieren sich meine Leser für die grundlegenden Unterschiede zwischen Nordic Walking und Joggen. Die Antwort findest Du hier.

Ich gehe dabei auf die Technik, die Ausrüstung und die gesundheitlichen Aspekte ein.

Unterschiede in der Technik

Aus technischer Sicht gibt es einen großen Unterschied zwischen den beiden Sportarten, der sich auf den Bewegungsablauf bezieht:

  • Joggen
    Beim Joggen befinden sich die Füße in einer Flugphase, die in eine anschließende Landephase mündet. Dabei wirkt das gesamte Körpergewicht auf die Füße und die Gelenke ein. Es gibt keine sanfte Abrollbewegung, sondern ein stumpfes Auftreten.
  • Nordic Walking
    Beim Nordic Walking hat hingegen immer mindestens ein Fuß Bodenkontakt. Sobald der Nordic Walking Stock den Boden berührt, tritt die Ferse des entgegengesetzten Fußes auf und rollt komplett bis zu den Zehen ab. Dabei bewirken die Stöcke eine Kraftverteilung, die dem Jogger fehlt. Die Technik beim Nordic Walking ist also deutlich gelenkschonender.

Ein weiterer Unterschied ist der, dass beim Joggen die Beine den Bewegungsablauf vorgeben. Beim Nordic Walking übernehmen diese Aufgabe hingegen der Oberkörper und die Arme.

Unterschiede in der Ausrüstung

Bei der Ausrüstung unterscheiden sich Nordic Walking und Joggen vor allem hinsichtlich der Stöcke und der Schuhe. Bei der restlichen Kleidung tun sich sogar Gemeinsamkeiten auf.

Unterschied 1: Nordic Walking Stöcke

Das wohl offensichtlichste Unterscheidungsmerkmal zwischen Nordic Walking und Joggen ist der Einsatz der Nordic Walking Stöcke. Die kontinuierliche Vorwärtsbewegung der Stöcke bewirkt ein intensives Training der Arm-, Schulter- und Rückenmuskulatur.

Auf diese Weise tragen sie aktiv zu einem effizienten Muskelaufbau des Oberkörpers bei. Die Stöcke unterstützen das Gleichgewicht, erfordern eine aufrechte Haltung und geben während des Trainings einen gewissen Rhythmus vor.

Auch beim Joggen bewegst Du Deine Arme. Während des Laufens schwingen sie locker vor und zurück, und zwar entgegengesetzt zur Beinbewegung. Beim Joggen ist eine gute Armarbeit insbesondere dann von Bedeutung, wenn Du Deine Geschwindigkeit erhöhst. Denn sobald der Jogger die Frequenz der Armbewegungen erhöht, bewegen sich auch seine Beine automatisch schneller.

Unterschied 2: Schuhe

Nordic Walking und Jogging unterscheiden sich sowohl in ihren Bewegungsabläufen als auch in ihrer Schrittausführung. Dies ist der Grund, warum beide Sportarten unterschiedliche Ansprüche an das Schuhwerk stellen.

Beim Nordic Walking besteht ständiger Bodenkontakt, wie wir eben festgestellt haben. Du setzt Deine Ferse auf und rollst den Fuß so lange ab, bis dieser den Boden über die Zehen wieder verlässt. Währenddessen setzt der andere Fuß mit der Ferse auf.

Insofern sollten gute Nordic Walking Schuhe das Abrollen des Fußes unterstützen, das Aufsetzen abfedern und eine stabile und kontrollierte Ausführung ermöglichen. Außerdem sollte er leicht sein und sich in Profil und Dämpfung an den Untergrund anpassen.

Beim Joggen schwingt sich der Läufer hingegen in die Luft und springt von einem Bein auf das andere. Die Stoßbelastung ist hier sehr viel stärker. Deshalb solltest Du bei Laufschuhen auf eine entsprechend starke Dämpfung achten. Zudem müssen die Schuhe den Fuß ausreichend entlasten und stabilisieren. Die Bewegungsfreiheit dürfen sie dabei aber nicht einschränken.

Gemeinsamkeit: Kleidung

Sowohl Nordic Walking als auch Jogging sind Ganzjahressportarten und stellen ähnliche Ansprüche an die Kleidung. Geeignete Sportkleidung zeichnet sich bei beiden Sportarten durch folgende Merkmale aus:

  • Sie ist funktionell und passt sich den Außentemperaturen an.
  • Sie ist atmungsaktiv und bietet dennoch Schutz vor Wind und Regen.
  • Die Kleidung lässt ausreichend Platz für Bewegung.
  • Sie ist pflegeleicht und langlebig.
  • Und sie reguliert Feuchtigkeit und Wärme nach außen.

Generell empfiehlt sich bei beiden Sportarten ein Tragen mehrerer Schichten. Man spricht dabei vom sogenannten Zwiebelschalenprinzip.

Eng auf der Haut aufliegende Funktionswäsche sollte immer aus atmungsaktiven Kunstfasern bestehen. Für die darüber liegende Kleidungsschicht eignen sich Longsleeves. Als oberste Schicht haben sich Fleece- und Funktionsjacken bewährt, die nicht scheuern und zuverlässig gegen Kälte, Wind und Regen schützen.

Da Jogger schneller ins Schwitzen geraten, hat sich unter Läufern folgende Faustregel bewährt: Sie addieren zur aktuellen Außentemperatur zehn Grad Celsius hinzu. Das bedeutet, wenn draußen 14 Grad herrschen, kleidet sich der Jogger als wären es 24 Grad. Sprich, er wählt T-Shirt und kurze Hose. Zudem gilt: Je schneller und intensiver ein Läufer trainiert, desto weniger warm muss er sich anziehen.

Unterschiede hinsichtlich gesundheitlicher Aspekte

Aspekt 1: Beanspruchung der Gelenke

Aus gesundheitlicher Sicht bestehen große Unterschiede zwischen Nordic Walking und Jogging. Allein die verschiedenen Bewegungsabläufe führen zu einer unterschiedlich starken Beanspruchung der Gelenke. So belasten die Flug- und Landephasen die Gelenke eines Joggers wesentlich mehr, als dies bei einem Walker der Fall ist. Bei ihm sind die auf Hüfte, Knie und Sprunggelenk wirkenden Kräfte deutlich geringer.

Da beim Joggen mit jedem Schritt das gesamte Körpergewicht des Läufers aufgefangen werden muss, wird Anfängern und Übergewichtigen dazu geraten, zunächst vorsichtig mit Nordic Walking oder normalem Walking zu starten. Hat sich der Körper nach einiger Zeit an die regelmäßige Belastung gewöhnt, steht einem Umstieg auf das Joggen nichts mehr im Wege. Im Idealfall hat derjenige dann zwischenzeitlich auch etwas abgenommen. Jedes Kilo drückt schließlich auf die Gelenke.

Aspekt 2: Muskelaktivität

Wer joggt, trainiert in erster Linie Beine und Po. Durch die Landephase trainierst Du Deine Po- und Beinmuskulatur intensiv, da Du jeden Laufschritt auch abbremsen musst. Auch beim Nordic Walking werden Po- und Beinmuskulatur trainiert, wenn auch weniger stark.

Dafür musst Du beim Nordic Walking vergleichsweise mehr Kraft für den Armeinsatz aufbringen. Die Tatsache, dass der Einsatz von Stöcken gleichzeitig den Rücken, die Arme und die Schultern trainiert, macht Nordic Walking zu einer ganzheitlichen Sportart, die rund 90 Prozent aller Muskeln des menschlichen Körpers beansprucht.

Aspekt 3: Herz-Kreislauf-System

Sowohl Nordic Walking als auch Joggen wirken sich beide positiv auf das Herz-Kreislauf-System aus. Grundsätzlich gilt: Je länger Du die beiden Sportarten ausführst, desto positiver ist ihre Wirkung. Um eine Überanstrengung zu vermeiden, empfiehlt sich auch hier ein sanfter Einstieg über das Nordic Walking.

Was haben Nordic Walking und Joggen sonst noch gemeinsam?

Beide Sportarten lassen die Fettverbrennung auf Hochtouren laufen, beeinflussen den Blutdruck positiv und bauen Stress ab. Draußen an der frischen Luft stärkst Du Dein Immunsystem, Deine Kondition und verbessert natürlich auch Deine Laune. Denn das gute Gefühl, etwas für sich, sein Aussehen und seine Gesundheit zu tun, begleitet alle Sportler – egal, ob sie joggen oder mit Stöcken unterwegs sind.

Aspekt 4: Kalorienverbrauch

Grundsätzlich beansprucht Nordic Walking mehr Muskeln im Körper als Joggen. Aber: Die Intensität ist beim Joggen höher. Sprich: Joggen ist anstrengender.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Kalorienverbrauch beim Joggen höher ist. Das möchte ich Dir anhand eines Beispiels demonstrieren.

Nehmen wir als Beispiel einen 35 jährigen Mann, der 80 kg wiegt und 1,80 m groß ist. Sein Training dauert 60 Minuten.

  • Beim Nordic Walking verbraucht dieser Mann 475 kcal.
  • Beim Joggen verbraucht der Mann 511 kcal.

Als Quelle für diese Daten diente mir FitRechner.de.

Zwischenlösung: Nordic Running

Du kannst Dich nicht zwischen Joggen und Nordic Walking entscheiden? Dann kann ich Dir Nordic Running ans Herz legen.

Beim Nordic Running benutzt Du Nordic Walking Stöcke, allerdings bewegst Du Dich wie beim Joggen. Sprich: Du joggst, boostest Dich aber selbst, indem Du Dich mit den Stöcken vom Boden abstößt.

Fazit: Nordic Walking vs. Joggen

Nordic Walking und Joggen unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich der Ausrüstung, sondern auch in Bezug auf die Technik. Hier gibt es kein besser und kein schlechter. Beide Sportarten haben ihre Fans und ihre Daseinsberechtigung.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 28. Januar 2021 aktualisiert.
Wer schreibt hier?

Ich heiße Thomas und betreibe den Sport Nordic Walking mittlerweile seit über 5 Jahren. Du hast Fragen oder möchtest Kritik oder Feedback abgeben? Dann kontaktiere mich doch einfach über das Kontaktformular.